Nuraghenkultur

Heute in der Früh ließen wir uns vom Wecker aus dem Bett holen, um in aller Ruhe zu frühstücken und auf- und einzuräumen. Andreas musste seinen großen Bildschirm wieder in der Transportschachtel verstauen, damit ihm während der Fahrt nichts passiert. Wir haben ihn extra angeschafft, damit es Andreas mit der Bearbeitung der Fotos einfacher hat. Wenn wir wollten, könnten wir uns auch DVDs ansehen, wir haben sogar welche mit, aber bisher keinen Bedarf. Abends sind wir meist mit dem Planen, den Blog und den Fotos beschäftigt.

Nachdem alles verstaut war, wurde der Hänger am Karl befestigt und die Schöne mittels Winde hinaufgezogen und niedergezurrt. Ich habe dabei eine wichtige Aufgabe, ich darf den Knopf bei der Fernbedienung für die Winde drücken. Den Stein, auf dem der Ständer der Schönen am Stellplatz ruhte, habe wir mitgenommen. Er ist schon wieder im Einsatz. Die letzten Dinge die vor unserem Aufbruch noch zu tätigen waren, wie Grauwasser ablassen, Kassettenklo entleeren und Trinkwasser nachfüllen, waren schnell erledigt. Ich habe dann noch bezahlt und mich über die 164,- Euro für neun Nächte und an sieben Tagen mit Strom, weil wir im Schatten standen, sehr gefreut. Auf diese Art zu reisen ist wirklich kostengünstig.

Unsere Fahrt führte uns heute von der Ostküste nach Westen und anschließend in den Norden der Insel. Den ersten Teil der Strecke kannten wir schon von unseren Motorradausflügen, aber uns Karl musste sich bergauf und noch dazu mit Hänger viel mehr plagen als die Schöne. Vom Geschwindigkeitsunterschied ganz zu schweigen. Wir hatten die Route so geplant, dass wir an zwei Stätten der Nuraghenkultur vorbeikommen und diese besichtigen würden. Die Nuraghenkutur entstand in der frühen Bronzezeit um das 18. Jahrhundert vor Christus und wird nach dem Hauptbauwerk, dem Nuraghe benannt. Das sind die Runden Türme, die ihr auf Andreas‘ Fotos sehen werdet. An der dritten Kultstätte sind wir vorbeigefahren und haben dann umgedreht, um uns für eine Besichtigung Zeit zu nehmen.

Wir hatten wirklich Glücke, da sich auf demselben Gelände auch die älteste Kirche Sardiniens befindet. Die Chiesa di Santa Sabina wurde im 11. Jahrhundert in romanisch-byzantinischem Stil erbaut. Die Kuppel ist von innen gesehen noch beeindruckender als von außen. In einem Nebengebäude gab es noch beeindruckende schwarz-weiß Fotografien aus dem Dorfleben der Vergangenheit der Nächstliegenden Ortschaft. Für nur drei Euro Eintritt haben wir wirklich viel gesehen.

Der nächste Aufenthalt in der Area Archeologica TAMULI war geplant. Andreas war 2017 mit Joschi, Julia und der Gang schon hiergewesen und ich kannte Teile davon von Fotos. Es sind Reste eines ganzen Dorfes. Besonders interessant fand ich die sechs Betylen, von denen drei männlich und drei weiblich sind. Betylen sind stumpfkonisch bearbeitete Steine, die in aufrechter Position aufgestellt werden und 1 – 2m hoch sind. Die weiblichen Betyle haben Brüste, den männlichen fehlen Geschlechtsmerkmale. Leider gab es kein t-Shirt mit den weiblichen Betylen in meiner Größe 😕

Der dritte Kulturschauplatz war Santu Antine, wo wir gleichzeitig mit einem Reisebus französischer Rentner ankamen. Dort war alles sehr gut und touristisch organisiert und der Eintritt mit 11 Euro pro Person auch entsprechend teuer. Wie bei fast allen Kultstätten bisher wurde auch der grüne Pass kontrolliert. In Santu Antine steht eine Bastion mit drei winkelförmigen Türmen, die mit Gängen miteinander verbunden sind. Im Zentrum findet sich ein Brunnen und der Nureghe. Der Westturm kann über große Steinblöcke, die eine Stiege bilden bestiegen werden. Oben geht man dann wie auf einem Wehrgang herum. Der Nureghe ist ebenfalls über eine enge Steintreppe zu besteigen.

Andreas meinte, das wäre nichts für mich, da die Blöcke teilweise sehr hoch wären und ich dann Probleme mit meinen Knien hätte. Nachdem aber ein großer Teil der Seniorengruppe auch hinaufgestiegen war und wieder heil unten ankam – ein paar von ihnen habe ich eine helfende Hand gereicht – konnte mich nichts mehr halten. Es war schon beeindruckend auf dem Dach eines so alten und so beeindruckenden Bauwerks zu stehen. Ich bin sehr dankbar so tolle Dinge erleben zu dürfen.

Wir genossen dann die letzten 100 km unserer Fahrt und freuten uns, als wir von oben wieder das Meer erblickten. Unser neuer Stellplatz Oasi Gallura liegt wieder nur wenige Meter vom Meer entfernt. Wir sind von der Costa Orientale im Osten an die Costa Paradiso in Vignola Mare gewechselt. Wir brauchten nur 30 Minuten, um den Karl und den Hänger zu parken, die Schöne vom Hänger zu holen, die Markise auszufahren und abzuspannen und Tisch und Sessel aufzustellen. Ich habe dann noch die Badetücher aufgehängt, die ich in der Früh noch leicht feucht einpacken musste. Dann ging es schon an und ins Meer. Erster Eindruck – weniger Steine, mehr Sand, nicht so schnell tief. Wieder wunderbar. Anmerkung Andreas: Das ferne und doch nahe Korsika in blassrosa – blau macht bei mir schon Eindruck!

Nach dem Nachtmahl und ein paar mitgenommenen Dolci, begann ich den Blog zu schreiben und Andreas die Gegend zu erkunden. Morgen werden wir wieder mit der Schönen unterwegs sein. Auch hier im Norden gibt es tolle Strecken und interessante Dinge zu bestaunen.

Gute Nacht und bis morgen, Eva

P.S.: Wir würden uns auch über Kommentare freuen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.