Polarkreis

Heute morgen war bereits um 06:15 Tagwache, da unsere Fähre um 07:05 ablegen würde. Wir wollten früh genug in der Reihe stehen, um auch sicher mitgenommen zu werden. Alles kein Problem; die Norweger scheinen keine Frühaufsteher zu sein. Die Überfahrt dauerte nicht lange, aber das erhoffte Frühstück gab es an Board nicht, nur abgepackten Kuchen oder Muffins. Sicherheitshalber hatten wir ein Brot gefrühstückt, aber der Kaffee ging mir ab.

Das Ungewöhnlichste am heutigen Tag jedoch war, dass die Sonne hinter einer dichten Wolkendecke schien. Sie versuchte zwar durchzubrechen, schaffte es aber nicht. Es war nicht kalt, nur sehr windig und es hat nicht geregnet. Selbst beim Polarkreiszentrum hatte es 17°, am Meer mindestens 22°. Ich bin zuversichtlich, dass es morgen wieder besser sein wird. Das Wetter machte uns die Entscheidung leicht zum Polarkreiszentrum zu fahren. Die Alternative wäre ein weiterer Gletscher gewesen, zu dem man mittels Boot und einem Fußmarsch von 5km gelangen kann. Dafür hätte ich mir allerdings Sonnenschein gewünscht.

Auf dem Weg zum Polarkreis fuhren wir mit zwei weiteren Fähren, durch wunderbare Landschaften, etwas schroffer als im Süden und Westen und viel bergauf und bergab. Kurz nach 13h waren wir bei der Gronligrotta in der Gebirgslandschaft Saltfjell. Sie ist eine der vielen Höhlen der Gegend und sehr gut erschlossen. In den Sommermonaten gibt es stündlich Führungen und wir nahmen natürlich an einer Teil. Es war sehr spannend und beeindruckend. Vor allem der Granitblock, der sich mitten in der Höhle befindet, gibt Rätsel auf, da es in der Gegend keinen Granit gibt. Die Vermutung ist, dass er aus Schweden stammt und während der Eiszeit dorthin gelangte. Ein beliebtes Fotomotiv ist eine Person, die diesen Stein hochzustemmen versucht :-).

Vom Polarkreiszentrum selbst, das wir als nächsten anpeilten, war Andreas etwas enttäuscht. Eigentlich gibt es so gut wie keine Information, aber einen gut ausgestatteten Souvenirshop und ein eigenes Postamt. Ich habe ein paar Karten für liebe Menschen geschrieben und dort eingeworfen, damit sie den besonderen Poststempel bekommen. Mir selbst habe ich daher auch eine Karte geschrieben. Andreas war dann mit der Situation etwas versöhnter, als er seinen Rentierburger mit Pommes gegessen hatte. Er war laut ihm ausgezeichnet und die Pommes, bei denen ich mit naschen durfte, waren sehr gut.

Unsere Fahrt ging weiter Richtung Bodo, von wo wir die Fähre auf die Lofoten nehmen werden. Da wir entsorgen mussten, suchte Andreas mit der App einen geeigneten Stellplatz und wurde in Fauske fündig. Wir entsorgten und füllten Wasser nach und beschlossen gleich über Nacht zu bleiben. D.h. heute zahlen wir wieder (227 Norwegische Kronen), konnten aber bereits unserem Nachmittagskaffee am Bankerl mit Sicht aufs Meer genießen. Andreas machte dann einen Powernap und ich ging eine Runde spazieren. Nach dem langen Fahren tat das richtig gut und die Gegend ist dafür gemacht. Man kann durch einen kleinen Park schlendern oder am Meer entlang. Als ich zurückgekommen bin, haben wir ein paar Erdbeeren genascht und Andreas ist mit dem Rad aufgebrochen. Er wird sicher wieder zurückfinden.

Ich freue mich schon auf die Fotos von heute, obwohl es kein perfektes Licht gab, und bin neugierig, was mir morgen erleben werden. Liebe Grüße und gute Nacht, EVA

P.S.: heute haben wir zum ersten Mal Österreicher getroffen – vier Biker aus der Innsbrucker Gegend auf einer der Fähren und eine Gruppe im Polarkreiszentrum. So wie sie geredet haben, waren sie aus Wien oder dem Umland. Wir haben nicht gefragt. Die meisten Wohnmobile, die hier herumfahren, sind aus Norwegen und vor fast jedem Haus steht eines. Sie bleiben offensichtlich gerne im eigenen Land.

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