Wer braucht schon einen sechsten Gang?

Gestern Früh holte ich für uns am Stand der netten Bäckersfrau direkt am Stellplatz frische Brötchen und wunderte mich, dass sich gar keine lange Warteschlange bildete. Es nutzten scheinbar nur wenige Wohnmobilbesitzer diesen Service oder sie waren keine Frühaufsteher und kamen in letzter Minute. Ich habe es nicht beobachtet und freute mich einfach über frisches Gebäck. Danach haben wir aufgeräumt und uns reisefertig gemacht und Andreas war erstaunt, dass wir schon um 9:30 wieder unterwegs waren. Ich nicht, da ich diese Zeit angepeilt hatte.

Wir fuhren Richtung Rügenbrücke und schon bald über das Haus, von dem ich gestern berichtet hatte. Der Weg auf die Insel ist ein kurzer und sie ist erstaunlich flach und ich habe den Eindruck, sie besteht hauptsächlich aus landwirtschaftlicher Nutzfläche. Bis jetzt habe ich den Eindruck gewonnen, dass die ehemalige DDR nicht umsonst den Beinamen Arbeiter- und Bauernstaat getragen hat. Felder soweit man sieht und ganz Parks mit Windkraftanlagen….

Als Andreas wieder einmal schaltete, gab es äußerst unangenehmes Geräusch und der vierte Gang hüpfte wieder heraus, dasselbe passierte beim sechsten Gang und beides wiederholte sich. Der vierte Gang ließ sich beim dritten oder vierten Versuch wieder einlegen, der sechste nicht. Es war ein sehr unangenehmes Gefühl mehr als tausend Kilometer von der Heimat entfernt plötzlich dieses Problem zu haben und dann noch mitten auf einer Insel.

Andreas beschloss die Inselrunde fertig zu fahren und dann auf schnellsten Weg nach Hause. Er hatte Vertrauen in unseren Karl und man schafft es auch mit fünf Gängen nach Mödling, wenn man nicht zu schnell fährt und Karl eine Chance lässt. In mir blieb ein mulmiges Gefühl, dass sich erst Stunden später auf der Autobahn legte. Eine nette Ablenkung auf Rügen war die Überfahrt mit der Wittower Fähre. Das Ticket kostet für Auto und Lenker 5,80 und dann die Extragebühr von 1,20 für mich als Beifahrerin. Das hat uns der nette Mann an der Fähre klar gemacht. „Sie haben jetzt 5 Euro 80 für sich und das Auto bezahlt und jetzt bekomme ich noch 1 Euro 20 für Ihre Frau…“

Wir haben uns auf Rügen keine Städte oder Sehenswürdigkeiten angesehen, sondern einfach die Landschaft auf uns wirken lassen. An einem Parkplatz entdecken wir einen Stand, der Obst und vielerlei Sanddornprodukte anbot. Mit einer ganzen Schachtel voll mit frischem Obst, Sanddornmuttersaft und noch ein paar anderen Kleinigkeiten fuhren wir weiter. Die Kirschen aßen wir gleich und spuckten die Kerne in die Landschaft. Vielleicht gibt das ja ein paar neue Bäume.

Nach der Rundfahrt kehrten wir über den Damm nach Stralsund zurück und mussten ein wenig warten, da die Brücke gerade geöffnet war und einige Segelschiffe Richtung Hafen unterwegs waren. Es war interessant zu beobachten, wie sich die Fahrbahn langsam wieder senkte und die Brücke im Anschluss wieder überquert werden konnte. Dann ging es auch schon auf die Autobahn, die wir nur dreimal verlassen haben – einmal für einen Tankversuch – nur ein Tankautomat, also fuhr Andreas lieber weiter – einmal zum Tanken und einmal, um auf einen Stellplatz zu fahren, wo wir die Nacht verbracht haben. Wir haben hier übrigens eine tolle Aussicht.

Wir haben uns gestern von Mecklenburg-Vorpommern über Brandenburg, wo wir großzügig Berlin umfahren sind, und Sachsen-Anhalt bis Thüringen vorgearbeitet. Wir wollten nicht über Tschechien fahren, obwohl dies kürzer ist, da wir keine „Coronaüberraschungen“ bei der Ein- und Ausreise erleben wollten. Momentan sind wir in der Nähe von Jena und planen am Nachmittag wieder zu Hause zu sein.

Karl hat uns bis jetzt sehr gute Dienste erwiesen und wird auch restlichen 650 Kilometer mit nur fünf Gängen bravourös herunterspulen. Ich freue mich schon sehr auf die Kinder und Enkelkinder und bin schon gespannt, wie sich Sophie und Elisabeths Schwangerschaftsbauch in den 2 1/2 Wochen verändert haben. Nur auf Videos ist das nicht zu erkennen.

Jetzt ist es Zeit für Frühstück und Dusche, sonst kommen wir nicht rechtzeitig in die Gänge, um schon am Nachmittag in Mödling zu sein. Ich wünsche euch einen tollen Tag, EVA

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