1 1/2 und 366

Gestern morgen war der Himmel etwas bedeckt, als ich aufwachte, und die Enttäuschung groß, als es keine frischen Brötchen gab. Der Bäcker liefert erst ab Dienstag….. Der Kaffee schmeckte auch mit den Brötchen vom Vortag gut und ich gönnte mir eine Dusche um einen Euro im „Waschhaus“. Ganze vier Minuten würde das Wasser rinnen und ich konnte den Duschvorgang zum Einseifen auch unterbrechen und musste nicht auf den Wasserverbrauch achten. Außerdem war die Temperatur so regulierbar, dass ich sie wesentlich wärmer einstellen konnte als im Karl. Es waren herrliche vier Minuten 🙂

Die zweite Enttäuschung mussten wir verdauen, als uns am Infostand erklärt wurde, dass wir doch keine Karten fürs Ozeaneum kaufen könnten, da sie seit Corona die Besucherzahlen kontrollieren und limitieren müssen und daher der Verkauf nur vor Ort stattfinden würde. Es gäbe lange Warteschlangen. Onlinereservierungen gäbe es nur für bestimmte Zeitslots…. Also machten wir uns mit Pullover und Regenjacke im Seesack auf Richtung Ozeaneum und hofften das Beste.

Unser Fußmarsch in Richtung Hafen führte uns beinahe unter der Rügenbrücke durch und es war interessant zu sehen, dass diese geradewegs über ein mehrstöckiges Gebäude gebaut worden war. Die Bewohner waren sicher erstaunt, als die Bauarbeiten begangen, und wahrscheinlich auch sehr froh, als sie beendet waren und nichts eingestürzt war. Nach ca. 30 Minuten waren wir am Ozeaneum angelangt und stellten uns brav in die Warteschlange, die doch ziemlich lang war.

Andreas hatte genug Zeit die Gorch Fock I zu fotografieren. Diese Drei-Mast-Bark liegt dort vertäut und kann besichtigt werden. Sie wurde 1933 in Stralsund erbaut und diente als Kadettenschulschiff. Um es nicht Kriegsbeute der roten Armee werden zu lassen, wurde es 1945 im flachen Strelasund versenkt. Nach zwei Jahren wurde sie gehoben und fuhr im Dienste der sowjetischen und ukrainischen Marine über die Weltmeere. 2003 gelang es Stralsunder Segelfreunden das nicht mehr seetüchtige Schiff zurückzuholen.

Während Andreas fotografiert bewegte ich mich mit der Warteschlange langsam vorwärts. Ich bewunderte die Kinder, die zum Großteil geduldig warteten oder bei Spaziergängen mit einem Eltern- oder Großelternteil das Riesenrad bestaunten, mit dem sie nicht fahren durften. Nach einer Stunde in der Warteschlange begann es zu regnen. Nicht schlimm aber doch so viel, dass wir die Regenjacken auspackten. Als wir unter dem Vordach des Ozeaneums angekommen waren und den Registrierungszettel fürs Corona-tracing ausgefüllt hatten, begann es mehr zu regnen. Das machte uns nicht viel aus, da wir schon unter dem Vordach im Trockenen standen. Wir gönnten uns eine Bratwurst im Brötchen.

Nach etwas mehr als 1 1/2 Stunden Wartezeit standen wir vor der Eingangstüre und hörten, dass es heute nicht so schlimm wäre.Letzte Woche hätten die Leute 4 Stunden angestanden und die online wäre alles bis 26.7. ausgebuht. Dann betraten wir tatsächlich das Museum und erwarben neben den Eintrittskarten auch eine Fotoerlaubnis. Selbstverständlich dürfen die Fotos nur für den eigenen Bedarf gemacht werden. Wir folgten der orangen Linie durch die gesamte Ausstellung, die sich über mehrere Etagen zieht. Es war interessant und sehr gut aufbereitet. Wir bekamen auch einen kleinen orangen Stick, mit dem die Druckknöpfe für sämtliche Animationen oder Audioaufnahmen betätigt werden konnten. Das Geräusch von kalbenden Eisbergen ist wirklich beeindruckend. Auf dem Dach des Ozeaneums gibt es eine Kolonie von Humboldtpinguinen, die nicht nur die Lieblinge der Kinder waren.

Ein zwei weiteren Räumen gab es dann mehr oder weniger riesige Aquarien von Fischen und anderen Lebewesen, die in der Ostsee bzw. Nordsee heimisch sind. Am Ende des Rundganges kamen wir dann in den Raum, der mir ab besten gefallen hat. Überall hingen Modelle von unterschiedlichen Walen und man konnte eine Treppe hinabgehen und sich auf einer wellenförmigen Liege niederlassen und nach oben sehen, wo eine Meeresoberfläche von unten simuliert wurde. Man lauscht dem Gesang der Wahle und dann beginnt eine angenehme Männerstimme zu erzählen und es läuft eine Lichtshow ab. Es war schön, interessant und unheimlich beruhigend.

Nach dem Besuch im Museumsshop, wo ich wieder ein paar Ansichtskarten erstanden habe, hatte ich ein Schockerlebnis. Mein Ehering fehlte. Ich konnte mir nicht erklären, wann und wo ich ihn verloren haben sollte, da er normalerweise nicht vom Finger rutscht, aber er war nicht da! Ich habe den Shop und das WC gecheckt, Andreas ist den gesamten Weg entlang der orangen Linie und den „Walraum“ noch einmal abgegangen und hat dort auch die Liegen verschoben, aber der Ring tauchte nicht auf. Wir haben schließlich eine Beschreibung des Ringes, der Gott sei Dank eine Gravur hat, und unsere Kontaktdaten an der Kassa hinterlassen und haben nach etwas mehr als zwei Stunden das Museum wieder verlassen. Es ging mir nicht besonders gut.

Da es nicht mehr regnete, beschlossen wir, einen Stadtrundgang zu machen und wandten uns zu Beginn Richtung Alten Markt, wo es einige wunderschöne alte Häuser und das mächtige Rathaus mit gotischer Fassade gibt. Dort gönnten wir uns einen Kaffee, Eis und ich eine Sanddornschorle – ein Getränk mit Geschmack, angenehm säuerlich und in knallorange ;-). In der Zwischenzeit war die Sonne hervorgekommen und der Himmel strahlend blau mit wenigen Wattewolken. Regenjacke und Pullover konnten wieder in die Seesäcke verbannt werden.

Wir besuchten St. Nikolai, eine am Ende des 13. Jahrhunderts erbaute dreischiffige, gotische Backsteinbasilika, die vom Wohlstand der hiesigen Krämer zeugte. Das Innere ist farbenfroh und beherbergt einige mittelalterliche Kunstschätze. Die drei Euro Eintrittsgeld wird für wichtige Renovierungsarbeiten genützt und mache Bereiche sind eingerüstet, währende andere schon im neuen Glanz erstrahlen. Am meisten hat mich das mit Farbe versehene Gewölbe mit kunstvollen und farbenprächtigen Rosetten beeindruckt.

Weiter ging unser Rundgang zum Kloster St. Katharinen, das auch das Deutsche Meeresmuseum beinhaltet. Wir haben uns allerdings gegen einen weiteren Museumsbesuch ausgesprochen und nachdem das Wetter jetzt so gut war, der Marienkirche den Vorzug gegeben. Auch diese wird im Inneren gerade renoviert, aber der Turm mit seinen 366 Stufen kann problemlos erklommen werden. Das Wort problemlos bezieht sich auf die Qualität der Stufen nicht auf meine Kondition. Als ich es bis in den Glockenstuhl geschafft hatte, war mir klar, dass ich auch noch die vielen steilen Holzstiegen überwinden werde und die Aussicht oben am Rundgang war dann auch wirklich atemberaubend. Der Aufstieg hat sich absolut gelohnt. Leider war mein Akku vom Handy leer, aber Andreas war so lieb, mir seines für ein paar Schnappschüsse zu borgen.

Andreas selbst knippste – ich weiß gar nicht, ob ich das Wort für professionelle Fotografie verwenden darf – drauf los und ich freute mich schon auf die Aufnahmen. Beim Abstieg im Glockenstuhl stellte er fest, dass die Einstellungen am Fotoapparat nicht richtig und damit alle Fotos hoffnungslos überbelichtet waren. Also wurden die Einstellungen geändert und er stieg noch einmal hinauf, um die Bilder noch einmal aufzunehmen. Ich machte mich einstweilen auf den Rückweg und sicherheitshalber bezwang ich alle Holzstufen/-leitern im Rückwärtsgang. Das funktioniert gut und schont meine Knie und Nerven, da ich weniger nach unten sehe. Die steinerne Wendeltreppe war auch nicht ohne und ich war froh, als ich unten angekommen war.

Da es ohnehin schon später Nachmittag war und wir noch einkaufen mussten, machten wir uns auf den Weg zurück zum Stellplatz, liefen am Supermarkt vorbei, drehten um und kauften ein und schleppten alles „nach Hause“. Beim Karl angekommen überprüfte ich mein „Schmuckschachterl“ und was fand ich darin? Meinen Ehering! Warum ich in der Früh Ohrstecker, Kette und den Verstärkungsring angelegt hatte, den Ehering aber nicht, kann ich mir bis jetzt nicht erklären. Das Wichtigste ist, dass ich ihn nicht verloren hatte. Nach 37 Jahren wäre er mir schon sehr abgegangen und ich hätte mir ein Duplikat anfertigen lassen.

Der Abend verlief ruhig und meine Beine fühlten sich schwach an. Ich hatte Angst, dass ich heute mit gehörigem Muskelkater aufwachen würde, aber nein, alles im grünen Bereich :-). Ich habe gerade die frischen Brötchen geholt und freue mich schon aufs Frühstück, Dann werden wir abwaschen, die Betten machen und über die tolle Brücke nach Rügen fahren. Nach einer kleinen Rundfahrt geht es dann Richtung Heimat. Mal sehen, wie weit wir heute kommen.

Ich wünsche euch einen schönen, sonnigen Tag. Bei uns ziehen gerade wieder Wolken auf, aber es gibt auch noch viel blauen Himmel :-). Liebe Grüße, EVA

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