Ein langer Nachtrag

Eigentlich sollte es ja mit unserem Karl, dem Wohnmobil, das Andreas drei Jahre lang auf Basis eines Fiat Ducato Multijet 2.3 in L3H3 ausgebaut hatte, mit der Schönen an Board nach Schottland gehen, ABER es kamen ein paar Kleinigkeiten wie Corona und das Gesamtgewicht des Karls mit voller Beladung dazwischen. Also starteten wir unsere Reise am Sonntag (5.7.2020) nur mit Karl ins Waldviertel, wo wir uns mit Johannes, Julia und Sophie getroffen und am Stellplatz bei den Teichhäusern drei Nächte verbracht haben. Wir hatten Glück mit dem Wetter und Sophie hat den großen Spielplatz, den Tierpark, den Ausflug in das UnterWasserReich im Naturpark Schrems inklusive Otterfütterung sehr genossen.

Mittwoch in der Früh haben wir Grauwasser abgelassen und Frischwasser getankt und sind über Oberösterreich Richtung Deutschland gefahren. In Haslach an der Mühl haben wir uns in der örtlichen Bäckerei noch mit frischem Brot und Gebäck eingedeckt. Die Leute vor Ort hatten offensichtlich noch nichts von der wieder eingeführten Maskenpflicht gehört. Als wir das Dorf verlassen wollten, kamen wir zu einem steinernen Torbogen, der aus der Ferne zu schmal und vielleicht auch ein wenig zu niedrig für Karl aussah. Gott sei Dank kennt Andreas die Maße unseres Karls genau und die Höhen- und Breitenangabe ließen keine Zweifel aufkommen, dass wir durchpassen würden.

Bei Schwarzenberg fuhren wir über die Grenze, welche als solche kaum zu erkennen war. Irgendwann landeten wir auf der A3, auf der wirklich viel Verkehr war. Sämtliche Parkplätze entlang der A3 waren mit LKWs vollgeparkt, so dass Andreas nicht einmal stehen bleiben konnte, um aufs WC zu gehen. Als es ihm endlich gelungen war einen Parkplatz mit freier Parklücke fürs Wohnmobil zu finden, nutzte ich lieber unsere indoor Toilette. Das ist jetzt Luxus pur bei langen Fahrten auf der Autobahn.

In Regensburg machten wir eine längere Pause, da wir die Altstadt besuchen wollten. Seit ich vor vielen Jahren mit dem Team der Neurorehabilitation in Regensburg an der Klinik gewesen war, wollte ich das machen. Die alten Mauern hatten mich damals sehr beeindruckt. Die Stadt war den Aufenthalt wirklich wert und hat viele tolle, alte, schön renovierte Häuser und beeindruckende Kirchen. Die Lage an der Donau und die eiserne und steinerne Brücke runden das Gesamtbild gut ab. Wir haben am Domplatz Eis gegessen und mussten feststellen, dass in Bayern noch strengere Coronaregeln gelten als in Österreich. In den Geschäften und Lokalen herrscht Maskenpflicht und man muss einen Zettel mit seinen Kontaktdaten ausfüllen. Es waren tolle und interessante drei Stunden noch ohne Regen.

Als wir auf die A7 gewechselt hatten, wurde es etwas besser mit dem Verkehr, aber die Parkplätze waren genauso überfüllt. Es wird derzeit entlang der Autobahnen auch viel gebaut, v.a. die Parkplätze werden vergrößert. Bei so viel Transitverkehr und Ruhezeiten bei den LKW-Fahrern ist das auch dringend nötig. Mittels der Stellplatz-App hat Andreas dann den Ort für die Übernachtung in Mühlbach auf einem kleinen Stellplatz am Bauernhof gefunden.

Ich habe wieder einmal sehr gut geschlafen und unser Frühstück bei offenen Türen genossen. Wir sind voll ausgestattet mit Eiskasten, Nespressomaschine, Induktionskochfeld und können daher am Morgen richtig schlemmen, wenn wir wollen. Für 7 Euro die Nacht und Stromversorgung durch die eigenen Solarpanele war es auch sehr preiswert. Nach dem Abwasch und dem Betten machen machten wir uns wieder auf Richtung Oldenburg, wo wir Walter besuchten, der als Berater für die dieselbe Firma wie Andreas tätig ist.

Walter und seine Frau sind seit Jahren im Urlaub mit einem Bulli unterwegs und haben den Ausbau von Karl auf Andreas‘ Seite im Internet verfolgt. Da wir schon in der Nähe waren, wollte er sein Meisterstück natürlich auch persönlich besichtigen lassen. Eigentlich wollte Andreas Walter auf einen Kaffee in unseren Karl einladen. Als wir in Oldenburg ankommen sind, war jedoch der Kaffeetisch schon schön gedeckt und Gabi hatte extra einen Obstkuchen gebacken. Der war nicht nur wirklich gut sondern sah mit den frischen Erdbeeren und Heidelbeeren auch sehr gut aus. Die Männer hatten einander viel zu erzählen und Walters Fotoausrüstung wurde besichtigt. Gaby und ich unterhielten uns über Coronamaßnahmen und Campingurlaube. Das war sehr nett.

Nun war es nicht mehr weit bis Delmenhorst in der Nähe von Bremen, wo wir uns mit Stephan, einem ehemaligen Arbeitskollegen von Andreas, treffen wollten. Stephan und Andreas sind ein kongeniales Arbeitsteam und sprechen eine Sprache. Da er Karl zum letzten Mal in leerem Zustand gesehen hatte, war es mehr als Zeit für einen Besuch. Eigentlich hätte uns unsere Jungfernfahrt Mitte März bereits in den Norden führen sollen, allerdings kam uns dann Corona dazwischen. Stephan hatte Andreas einen Stellplatz mitten in der Stadt genannt, wo man derzeit sogar gratis stehen kann. Das ist Luxus.

Inzwischen hatte es heftig zu regnen begonnen und wir gingen zuerst mit Stephan, seiner Freundin Andrea und Hund Bao im Park spazieren und essen. Auch in Niedersachsen gelten dieselben strengen Coronaregeln wie in Bayern. Nach dem Essen machten wir Pläne für die nächsten beiden Tage. Es standen Bremerhaven und Bremen auf dem Programm und die Hoffnung auf besseres Wetter. Da ich den Wetterbericht auf wetter.com gelesen hatte, wusste ich, dass schönes Wetter ein frommer Wunsch war.

Stephan hat uns gestern um neun Uhr abgeholt und wir sind gemeinsam bei Nieselregen nach Bremerhaven gefahren. Wir haben den Hafen und Fischmarkt bei mehr oder weniger Dauerregen erkundet und wirklich viel gesehen. Die Nordsee war in der Ferne im Dunst zu erkennen. Irgendwie war alles grau in grau, aber in sehr hellem Grau, was der guten Laune keinen Abbruch getan hat. Als wir bei einem U-Boot vorbeigekommen sind, habe ich Johannes ein Foto geschickt. Er erkannte die Type sofort und wollte mehr Fotos. Andreas, Stephan und ich haben dann den Eintrittspreis des Technikmuseums bezahlt und das U-Boot erkundet. Es war sehr beeindruckend und Joschi hat sich über die vielen Fotos sehr gefreut.

Leicht feucht an den Beinen vom abfließenden Wasser der Regenjacken, versorgten wir uns noch mit leckeren Fischbrötchen und anderen Fischdelikatessen und fuhren am Nachmittag nach Delmenhorst zu Stephans Wohnung. Es war eine schöne Fahrt abseits der Autobahn, mit vielen Kuhherden auf weitläufigen Weiden, schönen Häusern und vielen Störchen. Auf einer Wiese standen zwischen 20 und 30 Stück nebeneinander. So etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen. Leider haben wir kein Foto davon.

Nach Kaffee und Waffeln und viel Plauderei gingen wir zum Griechen essen und das ohne Regen. Als wir das Lokal verlassen hatten, schien die Sonne und der Himmel war Wolken frei. Da wir heute Bremen unsicher machen wollen, war das mehr als positiv. Heute um 6 Uhr hörte ich nach dem Wecker – ich wollte endlich den Blog fertig schreiben – Sekundenbruchteile später das vertraute Geräusch von Regentropfen, die ans Fenster und v.a. aufs Dach von Karl klopften. Anfangs sah ich noch viel Blau am Himmel inzwischen leider nicht mehr. Die Regenjacke und die Schuhe sind wasserdicht, also werden uns auch die dunklen Wolken nicht aus der Ruhe bringen. Ich bin sicher, dass es im Laufe des Tages deutlich besser werden wird. Die Bremer Stadtmusikanten, werden wir auch im Trüben schön finden und wer weiß, vielleicht reißt es ja auf.

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