Kontrastprogramm

Heute Morgen überzeugte mich wieder einmal Norwegen präzise gesagt die Stadt Tromso mit ihrer Schönheit. Blauer Himmel, alles strahlte um die Wette, egal in welche Richtung ich auch blickte. Das Meer blau, die Eismeerkathedrale glänzte in weiß, die Stadt in vielen Farben, die Brücke war wunderbar anzusehen und der Schnee auf den Berggipfeln reflektierte die Sonne. Kein Wunder, dass Andreas sich sofort mit der Kamera und dem Stativ unter dem Arm auf den Weg nach draußen machte. Nicht einmal die kühle Morgentemperatur von ca. 13° konnte ihn bremsen. Mir ist auf alle Fälle das Herz aufgegangen.

Nach Frühstück und Dusche fuhren wir über die Brücke zum Polarmuseum, das zwar klein aber sehr informativ gestaltet ist und wirklich ganz tolle Fundstücke und alte Fotografien hat. Manches ist auch in Englisch angeschrieben, aber es gibt auch ein deutsches Manuskript, wo man das Wichtigste nachlesen kann. Beeindruckend waren die vielen unterschiedlichen Robbenfelle und Ausstattungsstücke der ersten Schiffe, die Polarreisen machten. Ein Besuch, der sich wirklich ausgezahlt hat.

Danach war spazieren gehen angesagt, nachdem wir gestern ohnehin einen langen Fahrtag hatten, hatte ich das dringend nötig. Im Zentrum von Tromso ist auch am Vormittag viel los gewesen, obwohl heute Sonntag ist. Es hatten nur wenige Geschäfte und Lokale offen, abends wird sich das sicher wieder ändern. Es gibt viele Bars und Speiselokale, die erst abends öffnen. Tromso gilt als das Paris des Nordens. Nach einer mittelgroßen Runde gönnten wir uns einen Kaffee mit Kuchen und saßen mit kurzen Ärmel ganz gemütlich in der Sonne. Es hatte ca. 21° und fühlte sich viel wärmer an. Da wir noch Zeit hatten, bis wir die Kathedrale besuchen konnten, schlug Andreas vor, dass wir ja ins Trollmuseum gehen könnten. Das war nicht weit weg und eine gute Alternative zur Fahrt mit der Seilbahn auf den Hausberg von Tromso.

Das Museum ist sehr, sehr klein, aber mit viel Liebe eingerichtet und nutzt auch moderne Medien, sodass man interagieren kann. Es gibt einen Leseraum mit Trollbüchern in verschiedenen Sprachen und einen Spiel- und Bastelraum mit Vorlagen, die die Kinder anmalen und dann aufhängen können. Der Souvenirshop ist praktisch nicht vorhanden, aber ein paar Ansichtskarten für mich gab es doch. Andreas hat natürlich auch Fotos gemacht, z.B. ich vor dem Museum oder auf dem Schoß von einem Troll. Der war auch wirklich süß.

Kurz nach 13h kamen wir bei der Eismeerkathedrale an, wo wir auch Eintritt zahlen durften. Wie gesagt, die Norweger vermarkten sich gut. Die Kirche besticht durch ihre Helligkeit und das riesige Glasfenster, das nachträglich eingesetzt wurde. Wir hatten das Glück auch ein wenig Orgelmusik zu hören, da um 14h ein Orgelkonzert angesetzt war und die Künstlerin sich bereits eingespielt hat. Das gab dem Raum gleich noch mehr Atmospäre. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und ein paar Kerzen angezündet.

Um 13:38 verließen wir Tromso – Andreas sagte mir die genaue Uhrzeit, damit ich sie notieren und in den Blog schreiben kann – und fuhren dann doch zur Fähre. Ich habe noch einmal recherchiert und festgestellt, dass die beiden Fähren zeitlich gut aufeinander abgestimmt sind, dass es doch zu einer großen Zeitersparnis kommen würde. In Norwegen darf man auf Landstraßen nur 80 kmh fahren, wir mussten allerdings in den letzten Tagen feststellen, dass es oft nur 70 oder 60 kmh sind. Das macht dann schon einen Unterschied. Tatsächlich trafen wir auf der zweiten Fähre auch etliche Fahrzeuge der ersten wieder. Unter anderem ein Ehepaar aus Urfahr Umgebung, dass bereits seit sieben Wochen unterwegs ist.

Insgesamt sehen wir viel mehr Fahrzeuge mit Kennzeichen aus Österreich, seit wir im Norden unterwegs sind. Das liegt wohl daran, dass Norwegen hier sehr schmal ist und es eigentlich nur eine ganz große, wichtige Straße, die E6 gibt. Die nehmen dann fast alle. Seit den Lofoten sind auch viele Finnen zu treffen, die etwas dynamischer als die Norweger unterwegs sind. Aber es gab wie befürchtet wieder viele Tempobeschränkungen.

Von der zweiten Fähre aus, konnte man besonders gut die Lyngen-Alpen sehen. Beeindruckend hohe Bergespitzen mit viel Schnee und einigen Gletschern. So schön 🙂 und auch noch bei schönem Wetter. Am Ostufer des Lyngenfjords fährt man noch ca. 100km entlang immer mit Blick auf die Alpen. Besonderen Eindruck hat bei mir heute auch der Kvaenangsfjellet, ein Pass auf 401m über dem Meeresspiegel, gemacht. Dort wächst nichts mehr außer Moos, Flechten, kleinen Hochgebirgsblümchen und Bäumchen, die sich auf den Boden kauern. Dafür gibt es Schneeflecken, Wasserfälle und viele lose Steine. Der Wind bläst fürchterlich, sodass es die Erde verweht und dann kann nichts mehr wachsen. Es sieht aus wie bei uns im Hochgebirge und das auf 400m! Aber es gibt Flecken voll Baumwollgras, das ich sehr gerne mag, und Steintürmchen von Menschenhand gebaut. Ich habe auch jeweils einen Stein auf zwei Türmchen hinterlassen. Auch über diesen anspruchsvollen Pass sind Radfahrer voll bepackt unterwegs. Sie trotzen Wind und Wetter und haben meinen Respekt.

Andreas ist ein wenig später, als wir wieder einen Fjord entlanggefahren sind, abgebogen und auf eine Straße eine Etage höher in die andere Richtung gefahren. Wie stehen jetzt wieder mit Blick aufs Wasser, Berge mit Wäldern und dahinter Berge mit Schnee, nur schauen wir diesmal aufs Wasser hinab. Andreas hat uns heute mit Eierspeise mit und ohne Speck und Eisbergsalat verwöhnt. Wie schön, wieder einmal etwas Grünes zu essen! Morgen fahren wir die 8km wieder zurück zur ursprünglichen Strecke und vielleicht gelingt es uns sogar das Nordkap zu erreichen. Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm, obwohl Caroline schon schreckliche Sehnsucht nach uns hat und es dann noch einen Tag länger dauert. Ich werde heute die WetterApp vielleicht nicht checken. Da morgen ein Fahrtag geplant ist, ist es fast egal, ob es regnet oder nicht. Momentan ist es sehr windig und gerade hat es auch ein wenig geregnet. Bis 19h hatten wir 20°, die sich ohne Wind auch so anfühlten.

Ich wünsche noch einen schönen Abend und eine gute Nacht, EVA

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert