Tag 12 – Landschaft statt Kultur und ein kleines Wunder

Irlandreise-4715-HDRHeute morgen genossen wir unser Frühstück mit ein paar Sonnenstrahlen und den Blick auf den See. Nach dem Frühstück sind wir noch durch den Garten bis ans Seeufer gegangen und freuten uns, so ein hübsches Stückchen Erde gefunden zu haben. Gleich darauf fuhren wir los und kamen auch schon bald zum Hinweisschild für das Museumsdorf, der Weg endete doch schon nach wenigen Metern vor einer Absperrung mit dem Hinweis auf Privatbesitz??? Also nichts mit gälischen Kultur.

Die Fahrt ging weiter durch Connemara, einen wunderschönen Teil des Countys Mayo, der sich durch eine grüne, leicht hügelige Landschaft mit vielen kleinen Seen und Bächen auszeichnet. Es wird hier auch viel Torf gestochen und am Wegrand sind dann die Torfziegeln aufgestapelt. Andreas blieb dann bei einem Bachlauf mit Miniwasserfall stehen, um mit dem Stativ ein paar Fotos zu machen. Ich saß dabei in der Sonne 😎. Insgesamt hat er heute an drei verschiedenen Stellen Bäche fotografiert und ich hatte Zeit zum Träumen ☀️.

Wir kamen auch an einem kleinen See vorbei, wo auf der Grasfläche dahinter ein Pferd, vermutlich ein Connemarapony, graste. Auch das musste natürlich mit dem Fotoapparat eingefangen werden inkl. Objektivwechsel. Als Andreas zurückkam, musste er auch noch das Makroobjektiv auspacken, da ich wunderschöne Spinnennetze, in denen noch die Tropfen des nächtlichen Regens hingen, gefunden hatte. Wir griffen dann ganz tief in die Trickkiste mit Blitz und Spiegel 😉. Ich bin schon gespannt, wie die Fotos am Computer aussehen. Das Display der Kamera zeigt nicht genug.

Die erste geplante Rast machten wir bei der Kylemore Abbey, wo es auch einen Garten zu besichtigen gäbe. Zuerst stärkten wir uns mit einem Kaffe, danach sahen wir uns die Informationstafeln an und erkundigten uns nach dem Eintrittspreis. Da für mich das Preis-Leistungsverhältnis nicht stimmig war, fuhren wir lieber weiter und wurden erneut durch eine wundervolle Landschaft belohnt. So ging es über Westport flott dahin bis Castlebar, wo wir unseren McDonalds-Stop einlegten.

Bis dahin hatten wir außer der schönen Landschaft schon einiges erlebt. Da die Landschaft stellenweise einer Buckelpiste glich, kam ich mir manchmal eher auf einem Pferd als auf einem Motorrad vor. Einmal hob es mich so hoch aus, dass es sogar Andreas erschrocken mitbekam. Mehr gestresst hat es ihn allerdings, als er auf einem Grasmittelstreifen auf einem sehr engen Weg ins Rutschen kam oder einmal beim Stehenbleiben das Gelände nicht ganz richtig eingeschätzt hatte und alles an Kraft und Können aufbringen musste, damit wir nicht umfallen. Danach taten ihm beide Hüften weh und wir machten eine Pause. Das Fotografieren des zweiten Baches an diesem Tag hat alles wieder gutgemacht 🙃. Danach fuhr er noch langsamer und konzentrierter weiter und plötzlich war da das Folgetonhorn hinter uns…. Das Polizeiauto überholte und und ein paar Meter weiter sahen wir auch warum. Ein Frontalzusammenstoß auf der rechten Fahrbahnseite. Vermutlich hatte sich ein Leihwagenfahrer vom Festland auf die falsche Seite verirrt.

Einheimische und fremdländische Autofahrer mit Leihwagen können wir inzwischen ganz gut unterscheiden. Diejenigen, die wie verrückt auf engen Straßen unterwegs sind, kein Licht aufdrehen und nie blinken, sind die Iren. Diejenigen, die mit Licht fahren, in Schockstarre verfallen, wenn du ihnen auf einer engen Straße entgegen kommst, oder mit gezücktem Handy aus dem Autofenster am Straßenrand aus dem Autofenster lehnen, das sind die vom Festland. Und dazwischen sind wir – ein vollbepacktes Motorrad, das an allen möglichen Stellen teils noch mit laufendem Motor steht, weil der Fahrer fotografieren muss. Aufgabe der Sozia: stillsitzen 😜.

Wie gesagt, bei McDonalds in Castlebar stöberten wir wieder bei booking.com und fanden ein sehr günstiges Zimmer in einem Guesthouse in Knock. Als wir in dem Ort ankamen, fielen uns sofort die vielen kleinen Läden mit Marienfiguren auf. Knock ist tatsächlich ein Zentrum der Marienverehrung, wo es 1879 eine anerkannte Marienerscheinung gegeben hat. Jährlich kommen ca. 1 Million Pilger hierher und die in den 70er Jahren errichtete Basilika bietet 10000 Gläubigen Platz. Es gibt auch noch einen extra errichteten „Shrine“ der der Erscheinung von damals nachempfunden ist.

Als wir in unserem Zimmer ankamen, erhielten wir eine SMS von unserem Sohn, dass es für Alexander, den Sohn von Andreas Cousine, einen geeigneten Knochenmarksspender gibt. Letzte Woche haben sich ganz viele Freunde und Verwandte testen lassen, damit er die Leukämie besiegen kann. Andreas und ich sind leider schon zu alt, aber unsere Kinder waren testen. Das war die gute Nachricht und das kleine Wunder von heute. Ich habe in der Basilika neben den Kerzen für wichtige Menschen in meinem Leben auch eine für Alexander und seinen Spender angezündet und viel gebetet.

Morgen geht es weiter in den Osten und nach Clonmacnoise, dem geistigen Zentrum der Kelten. Das erste Gebetshaus am Ufer des Shannon soll bereits 545 erbaut worden sein. Heute sind die Reste einer Kathedrale, acht weiterer Kirchen und rund 200 Grabplatten zu besichtigen. Morgen holen wir das an Kultur nach, was wir heute versäumt haben.

Freut euch jetzt auf die Fotos von Andreas!

One Reply to “Tag 12 – Landschaft statt Kultur und ein kleines Wunder”

  1. Es gibt ja eigentlich nichts Schöneres, als deine Bilder von Single-Track Roads mit der dazugehörigen Landschaft und schwupps – sitze ich in Gedanken selbst am Motorrad und ackere und pflüge und drücke mich knapp am Traktor hinter der Kurve vorbei. Aber das heutige Titelbild ist ja geradezu picture-perfect (wie gemalt). Es lädt gar nicht zur Interaktion ein … möchte einfach nur so stehen bleiben (ich weiß, irgendwann wird die Marmelade schlecht).
    Und jetzt noch ein Bilderwunsch: Liebe Eva, wie wär’s mit einem Selfie von dir UND deinem Fahrer? 🙂

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